

Wenn man nachts in einem Bett aus Fellen und Decken so da liegt und dem leisen plätschern des kleinen Baches zuhört, wie es vom Gezwitscher einiger Nachtschwärmer in den Bäumen und dem sonoren Schnarchen aus den Nachbarzelten begleitet wird, dann sind Sonnenbrand und Bremsenbisse schnell vergessen. Durch die Planen kann man den Schein des großen Feuers in der Mitte des Lagerplatzes noch erahnen, auf der anderen Seite erhellt eine kleine Laterne die Nacht und man lässt eine Woche Lager am schönen Merlbach Revue passieren. Sicher, das Wetter war wiedermal Trebeta-typisch. Obwohl, eigentlich ist so eine Abkühlung zwischendurch doch sehr angenehm, wenn die meiste Zeit die Sonne scheint. Die paar heftigen aber kurzen Regenschauer konnten keinen der sturmerprobten Wikinger wirklich schockieren, die letzten beiden vollkommen trockenen und heissen Tage waren für manchereinen viel schlimmer. Der einzige, dem auch dieses Jahr der Regen wieder sehr zuschaffen gemacht hat, war unser legendärer Zufahrtsweg, dem am Sonntag mit schwerem Geschütz in Form eines Bus und Anhänger schleppenden Traktors der Rest gegeben wurde. Im nächsten Jahr wird er vorher professionell instand gesetzt - diesmal bestimmt!

Samstags ging's also los bei uns. Noch bevor irgend ein Trebetaner das Gelände auf Herrmanns Koppel erreicht hatte, rückte
Schmied Wölund mit dem gesamten Leudersdorfer Gepäck an. Ob Alwitt,
Perchta, Fellagund und die Kinderschar schon dabei waren, kann ich gar nicht sagen - ich war ja noch nicht da. Als ich am späten Samstag Abend den Platz betreten habe, war auf jeden Fall schon ein ansehnliches Lager errichtet. Altreia - besser bekannt als Conny und Jupp - hatten genauso wie Carsten und der trebetanische Clan schon ihre Zelte errichtet, da fehlten nur noch Catrin und natürlich meine Wenigkeit. An so einem schön hergerichteten Örtchen gingen die restlichen Vorbereitungen (wir sprechen von den "Un-A-Aufbautagen") natürlich noch viel besser von der Hand und so war sogar schon das "Örtchen" einsatzbereit und niemand musste für größere Geschäfte das Weite suchen. Was folgt ist klar: Wiedersehen, Kennen lernen, sich freuen, dass es endlich wieder los geht, kurz: die Saison mit einer langen Nacht am Lagerfeuer starten.

Die nächsten Tage wurden etwas ruhiger, da die meisten nochmal nach Hause mussten, das eigentliche Lager startete am Mittwoch Abend als alle wieder zurück nach Merlscheid gekommen waren. Lagerwolf Herkules war allerdings die ganze Zeit ein treuer Begleiter, auch wenn manche unterstellen er sei nur wegen der Tischabfälle so gern an unserer Seite. Wölund beindruckte mit seiner Messerscheidennähvorführung und dem von ihm selbst erfundenen Krummstich, die Mädels versuchten sich an der rückenschonend errichteten Hochfeuerstelle - natürlich mit durchschlagendem Erfolg. Wer zum Trebetalager kommt, muss sich keine Sorgen wegen Gewichtsverlust machen, mancher meinte er würde hier besser essen als daheim. Zumal hier ja nicht nur die Frauen Chef am Lagerfeuer spielen, sondern auch die Herren der Schöpfung ihre geheimsten Kniffe der Vicuisine verraten. Besonderes Highlight war ohne Frage Heikos Räucherei, die uns mit Forellen und Hühnern nach Altonaer Art versorgte.

Lagerzeit ist natürlich auch Spielezeit. Das gilt nicht nur für die Kinder, die ihre eigene Waldhütte aus Ästen jedes Jahr ein Stück toller erweitern (für nächstes Jahr ist angeblich ein zweiter Stock geplant), sondern auch für die Erwachsenen, die sich mit allerlei Steingeschiebe die Zeit vertrieben haben. Der Klassiker
Hnefatafl war ein ständiger Begleiter an der hölzernen Tafel, genauso wie das von Hella mitgebrachte
Kalaha - ein Spiel für Erbsenzähler!

Neben Brettspielen stehen aber auch große Wettstreite hoch im Kurs. Den Anfang machten die Kleinen mit der Wahl des "Germaniens Next Top Wikingers". Selten hat man einen so ausgeprägten Hüftschwung auf den Trampelpfaden die die Welt bedeuten bewundern können, wie ihn Heidi "Klum" vorgemacht hat und Ronja, Natasha, Eva und Rosalie waren gelehrige Schülerinnen, die auch in den Disziplinen dreckige Fingernägel, schmutzige Füsse, kesse Lippe und ungewaschenes Unterkleid abräumten, während Erik seine schwankende und torkelnde Interpretation eines typischen Trebeta-Wikingers zum besten gab. Am Ende konnten sich Heidi "Klum", "Bruce" Schildbeisser, Perchta "Amin" und Janina "Entrup" auf keinen Sieger einigen und erklärten schliesslich alle Teilnehmer zu Verlierern. Tja, so hart kann das Leben für einen angehenden Nordstern sein. Preise gab's natürlich trotzdem und die wurden unter allen Kindern verteilt.
Als uns wenig später die Abgesandten unserer Freunde von
Gripandilag erreichten, war schon fast so etwas wie zufriedene Faulenzerei im Lager eingekehrt - dem wurde natürlich umgehend ein Ende bereitet, wenigstens für einen kleinen Augenblick.

Den nächsten Tag vertrieb uns Thomas Anders Musikertruppe mit Trommeln, Pfeifen und Heizungsrohrtrompeten (die mit der besonderen Membran) während das Schwein auf dem großen Lagerfeuer mehr und mehr an Farbe gewann und endlich mit vereinten Kräften tischfertig gemacht wurde. Wie Sigi ganz richtig betonte: Zum ersten mal vor Sonnenuntergang, ohne totales Chaos und ordentlich von Meisterhand zerlegt. Dazu Knödel, Kraut, Möhrengemüse und Brennesselsalat - ein wahres Festessen! Wirklich schade, dass man nicht mehr verdrücken kann als mit aller Gewalt rein geht.

Der Samstag war auch der Tag unseres tradionellen Skaldenwettbewerbes bei dem auch die Erwachsenen Poeten endlich zum Zuge kommen sollten - aber wie sich das gehört erst nach den Kleinen. Die Mädchen traten in zwei Gruppen an, nur Erik musste alleine ran und erzählte uns den typischen Tag im Lager. Ronja und Natasha begeisterten mit einem selbstgedichteten Medley aus Episoden um die Merlbacher Wikingerschar zu Melodien von bekannten Lagerfeuerwelthilts und Eva und Rosalie brachten schliesslich die Publikumsränge mit dem "Alle meine Entchen Techno" zum kochen. Da hatten wir Alten es natürlich schwer gegen an zu kommen! Beim Holzhackwettbewerb verausgabten wir Kerle uns ganz ordentlich, besonders Fellagunds ausgefeilte Technik ist zu erwähnen - wehe dem, der diesem Mann auf dem Schlachtfeld begegnet - er sieht seine Opfer gerne leiden und haut auch gern einmal mehr als nötig zu! Die erhitzten Gemüter brauchten dringend Abkühlung, allein die wurde nur Erik gewährt, der von Geisterhand getragen in hohem Bogen in den Merlbach flog.

Als die Sonne sich endlich gesenkt hatte, wurde das riesige Schwedenfeuer entzündet. Zwischenzeitlich war eine Delegation der furchterregenden
Jomswikinger bei uns angekommen und hatte ihre auf allen Meeren gefürchtete Plörrekanne dabei. Ich habe wirklich keine Ahnung was das für ein Gebräu ist, aber die ausgeklügelte Entleerungstechnik hat so manchen gestandenen Krieger aus den Holzschuhen katapultiert bevor der Abend im Skaldenwettbewerb der Erwachsenen gipfelte.

Laif erzählte uns eine von beindruckender fernöstlicher Kampfkunst unterstützte Geschichte - der Fluss seiner Bewegungen untermalte die Historie der saarländischen Schwenkkunst, dass man den Geschmack von Schweinenacken förmlich auf der Zunge spüren konnte. Das Duo Infernale Gorm und Schildbeisser gab gewohnt spitzbübig ihre Version der Lagergeschichte zum besten und Felagund überraschte das Publikum mit einem selbstgedichteten Schwank in dem er treffend die Ursache für einfach alles auf den Punkt brachte: Trebeta eben! Da in diesem Jahr erstmalig auch Coverversionen erlaubt waren, las ich die
Thrymskvida vor und Perchta stimmte danach mit ihrem Lied über den Urtag in die mystische Stimmung ein. Der Rest der Nacht wäre schnell erzählt, aber ihr müsst ja auch nicht alles über ein langes, schönes Fest am Trebetafeuer wissen.
Nicht wegen der Länge des Vorabends, sondern wegen der Kürze der Lagerwoche begann der Sonntag voller Wehmut, denn es wurde langsam Zeit das Lager abzubrechen, die Felle nach draussen zu tragen, die Planen zu packen und die Planken zu verladen. Das geschah ohne erzählenswertes aber in brühtender Hitze und Dank 62PS John Deere Power wurde auch der Aufstieg zum Weg fast zu einem Kinderspiel, bei dem ein Bus und ein vollbepackter Anhänger beinah nach Schrottwert hätten bemessen werden müssen.
Vielen Dank allen die dabei gewesen sind! Allen Mitlageristen, allen Tagesgästen, allen Freunden und Bekannten - ihr habt das Trebetalager wiedermal zu einem Fest gemacht! Was wären wir ohne euch? Wir sehen uns in Altreia, Freisen oder wo auch immer wieder. Bis bald und eine schöne Saison!
Mehr Bilder vom Lager gibt es hier.